Die Bildung in Deutschland nimmt ab, obwohl immer mehr Geld investiert wird. Matthias Brodkorb (SPD), Ex-Bildungsminister von Mecklenburg Vorpommern, meint Deutschlands Schulen leiden unter einer Tyrannei der Gleichheit. Alle werden schlechter – gerade die Besten.
Brodkorb hält das Versprechen, jeder könne alles erreichen, für eine Illusion. Menschen seien nicht gleich – schon genetisch nicht. Die Politik ignoriere das und produziere Reformen ohne Ende und ohne Wirkung. Für Brodkorb braucht es mehr Ansprüche und weniger Gleichheit.
Eine neue UNICEF-Studie schlägt Alarm und die Zahlen sind erschreckend: 40 Prozent aller 15-Jährigen in Deutschland können nicht richtig lesen und schreiben. Von 41 untersuchten Industrieländern landet Deutschland gerade mal auf Platz 34 – hinter Rumänien, Ungarn und der Slowakei.
Wie konnte es so weit kommen? Und vor allem: Wie kommen wir da wieder raus?
Wolfgang Büscher, Sprecher der Berliner Arche, die täglich 11.000 Kinder in sozialen Brennpunkten betreut, liefert erschütternde Einblicke aus dem Alltag. 30 Prozent der Erstklässler in Brennpunktschulen sprechen kein einziges Wort Deutsch, wenn sie eingeschult werden. 65.000 Kinder verlassen jedes Jahr die Schule ohne Abschluss und rutschen direkt ins Bürgergeld. Seit Büscher vor 23 Jahren bei der Arche anfing, sind das also insgesamt 1,3 Millionen Kinder.
„Wir schaffen das nicht" – dieser Satz, den Büscher direkt an die Politik richtet, klingt wie ein Hilferuf. Denn die Arche stemmt diese gewaltige Aufgabe weitgehend alleine, ohne staatliche Unterstützung, finanziert durch Spendengelder. 28 Millionen Euro muss die Organisation in diesem Jahr selbst einsammeln.
Die Lösung?
Büscher fordert eine intelligentere Verteilung der Kinder auf Schulen, weg von der starren Wohnorteinschulung, hin zu einem System, das Brennpunktkonzentrationen gezielt auflöst.
Berlin – Deutschland ist reich, Deutschland ist modern – möchte man zumindest meinen. Dennoch wachsen hier Hunderttausende Kinder ohne faire Chancen auf. Eine neue Studie des Unicef-Forschungsinstituts Innocenti, veröffentlicht am 17. Mai 2026, macht das in erschreckender Deutlichkeit sichtbar: Im internationalen Vergleich des kindlichen Wohlbefindens landet Deutschland weit im hinteren Mittelfeld.
Hamburg – Bedürfnisorientierte Erziehung hat sich in den vergangenen Jahren zu einem echten Trend entwickelt. In Blogs und auf Social Media teilen zahlreiche Eltern ihre Erfahrungen mit dieser Methode. Doch nicht alle Berichte fallen positiv aus. Einige Mütter und Väter schildern, wie sie mit dem Konzept an ihre Grenzen geraten. Ein besonders drastischer Erfahrungsbericht stammt von einer alleinerziehenden Mutter, die sich im Online-Forum Reddit zu Wort meldete. Sie habe ihren Sohn ungewollt zu einem „kleinen Tyrannen großgezogen“, schreibt sie dort: „Ich habe das Gefühl, ich ziehe mir gerade ein kleines Arschloch groß – und dieser Satz tut mir schon beim Schreiben in der Seele weh.“
Die Abinoten werden besser, doch werden es auch die Absolventen? Der Deutsche Hochschulverband rügt, mehrere Fähigkeiten hätten sich „spürbar verschlechtert“. Mit Folgen.
In ganz Deutschland starten dieser Tage die Abiturprüfungen. Das Wort Abitur stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „weggehen“. Mehr als zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler, die das Abi bestehen, werden anschließend weggehen – an eine Universität zum Studieren. Im Gepäck: immer bessere Durchschnittsnoten. Doch die Entwicklung sorgt nicht zwangsläufig dafür, dass die Absolventen auch tatsächlich „besser“ sind. Immer häufiger müssten die Unis nachholen, was die Schulen nicht schaffen.
Der Gründer der Berliner Sozialeinrichtung „Die Arche“, Bernd Siggelkow, kritisiert angesichts der alarmierenden Zahlen zu Gewalt von Schülern die Zustände an deutschen Schulen. Er fragt sich, ob Lehrer „künftig mit Baseballschlägern zur Schule“ müssten. Siggelkow spricht in einem Video-Beitrag der „Arche“ über die neuesten Zahlen. Diese offenbaren, was Armut, Bildungsferne, schlechte Integration und Perspektivlosigkeit auslösten, insbesondere in den Ballungsgebieten: „Wir haben unsere Schulen nicht mehr im Griff“, resümiert Siggelkow.
Fast ein Drittel: 32 Prozent. Für so viele Rheinland-Pfälzer war das Thema Bildung bei der diesjährigen Landtagswahl wahlentscheidend. In Baden-Württemberg waren es „nur“ 19 Prozent gewesen. Daran, dass den Deutschen heftig auf den Nägeln brennt, was ihre Kinder und Enkel in der Schule lernen (und was nicht), kann kein Zweifel bestehen.
Doch was lernen sie eigentlich? Und was nicht? Dass es um die Bildung in deutschen Landen nicht zum Besten bestellt ist, legen die regelmäßig erhobenen Daten derPisa-Studienahe. Die Befunde sind weder im internationalen noch im chronologischen Vergleich schmeichelhaft. Die Daten der letzten Erhebung 2025 harren noch der Veröffentlichung. Ob sie besser sein werden als zuletzt, weiß noch kein Mensch, aber die Metrik der 2022er Studie war niederschmetternd.