Düsseldorf - Mehrere große Pädagogenverbände haben der Landesregierung am Mittwoch vorgeworfen, die Schulen bei der Umsetzung der Inklusion im Stich zu lassen. Der Chef des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sprach im Schulausschuss des Landtages sogar von einer "ignoranten Haltung" der Regierung. Die immer wieder von Lehrern vorgebrachte Kritik am "mangelhaft" organisierten gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern werde von Rot-Grün gar nicht wahrgenommen.
Dabei seien die Zustände in vielen Klassen katastrophal, hieß es in der Expertenanhörung. Es fehlten rund 7000 Pädagogen, die vorhandenen Lehrkräfte seien in der Regel nicht gut auf die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen vorbereitet, die Klassen seien zu groß und Lehrer-Doppelbesetzungen von inklusiven Klassen die absolute Ausnahme.
Der Wirtschaft fehlen die geeigneten Lehrlinge, an den Universitäten stapeln sich die Studenten - was läuft schief im Land der Dichter und Denker?
Donnerstag, 8. September 2016
Freitag, 2. September 2016
Kein Vertrauen in Inklusion
DÜSSELDORF. Der Unmut über die Umsetzung der Inklusion in NRW nimmt zu. Schon im Mai hatten Pädagogenverbände und Gewerkschaften in einer "Mülheimer Erklärung" laut um Hilfe gerufen: Die Landesregierung mache den Erfolg des gemeinsamen Unterrichts vor allem daran fest, wie viele behinderte Kinder inzwischen den Regelunterricht besuchten. Die Qualität dieses Unterrichts sei hingegen zweitrangig, schimpften die Verbände. Im September werden im Landtag zweimal Experten zur Umsetzung der Inklusion angehört. Schon jetzt ist absehbar:
Freitag, 19. August 2016
Von Lehrermangel bis Sitzenbleiber – wichtige Fakten zur Schullandschaft
Nordrhein-Westfalen - Erstmals seit Jahren steigen die Schülerzahlen in Nordrhein-Westfalen - die Einstellungschancen für Lehrer sind so gut wie lange nicht.
Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) präsentierte am Freitag in Düsseldorf die aktuelle Schulentwicklung.
Donnerstag, 18. August 2016
FDP tritt vom Turbo-Abi zurück
DÜSSELDORF. Der Streit um das "Turbo-Abitur" in Nordrhein-Westfalen ist neun Monate vor der Landtagswahl neu entflammt. Die NRW-FDP als einst entschiedenste Befürworterin der Schulzeitverkürzung bereitet eine Kurskorrektur vor. Die Schulkonferenzen an den Gymnasien sollen künftig zwischen G8 und G9 entscheiden dürfen.
"Wir nehmen die Sorgen von Eltern und Schülern ernst und wollen mehr Autonomie vor Ort ermöglichen", sagte FDP-Generalsekretär Johannes Vogel am Mittwoch in Düsseldorf. Er werde dem Landesvorstand der Liberalen vorschlagen, mit einem Optionsmodell in die Landtagswahl 2017 zu ziehen.
Samstag, 30. Juli 2016
NRW will Mehrsprachigkeit fördern
DÜSSELDORF. Die Landesregierung will Kinder und Jugendliche, die mit mindestens zwei Sprachen aufwachsen, sprachlich intensiver fördern. "Wir sind im Gespräch mit einem halben Dutzend Städten und Kreisen, insbesondere mit Kommunen im Ruhrgebiet, die wir für ein Modellprojekt zur Förderung von Mehrsprachigkeit gewinnen möchten", sagte Integrations-Staatssekretär Thorsten Klute (SPD) dieser Zeitung.
Auf lange Sicht wolle man sogar in 50 Stadtteilen in NRW eine lückenlose Förderung von Mehrsprachigkeit durchsetzen. Heißt: mehrsprachiger Unterricht von der Kita möglichst bis zum Berufskolleg. In NRW hat etwa jeder vierte Einwohner einen Migrationshintergrund, rund 2,2 Millionen Menschen besitzen einen ausländischen Pass. Oft sprechen zugewanderte Kinder weder gut deutsch noch beherrschen sie die Sprache ihrer Eltern vernünftig. (!!!)
"Aber Mehrsprachigkeit ist kein Klotz am Bein, sondern sie ist ein Schatz, den Kinder und Jugendliche mitbringen", sagt Klute. Diesen Schatz gelte es zu heben. Noch vor 20 Jahren sei Mehrsprachigkeit in Deutschland sogar bewusst unterbunden worden. "Da mussten sich Schüler, die sich auf dem Schulhof zum Beispiel auf Türkisch, Russisch oder Italienisch unterhielten, von Lehrern Kommentare wie ,Hier wird aber deutsch gesprochen' anhören. Wir wollen Mehrsprachigkeit heute nicht unterbinden, sondern ganz im Gegenteil fördern." Eine Konkurrenz zum Deutschlernen entstehe dadurch nicht. Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, hätten große Vorteile und mehr Chancen im Leben. Davon profitiere die Gesellschaft insgesamt.
Tatsächlich haben zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass sich Kinder, die mehrere Sprachen gut beherrschen, besser konzentrieren können, sogar leichter Konflikte lösen und sich besser in andere Menschen hineinversetzen.
Rund 40.000 Schüler in NRW bekommen heute schon herkunftssprachlichen Unterricht. Allerdings beschränkt sich dieser Unterricht auf die Grundschulen. Im Grunde müsste Mehrsprachigkeit von der frühesten Kindheit bis zum Berufseintritt unterstützt werden, so das Integrationsministerium.
Neben der Landesregierung sind an dieser Initiative der Landesintegrationsrat und die Landesweite Koordinierungsstelle der Kommunalen Integrationszentren (LaKI) beteiligt.
Kommentar: Ob die jetzt schon schlechten Deustchkenntnisse dadurch besser werden, dass man die Kenntnisse in der Zweitsprache fördert, darf wohl angezweifelt werden. Und dass da, wo in deutschen Kitas und Schulen verschiedene Nationen aufeinandertreffen, nur Deutsch die gemeinsame Sprache sein kann um "Konflikte zu lösen", dürfte wohl eher eine Binsenweisheit sein. Alles andere würde nur das nationale Cliquentum und den ewig schwelenden Streit um den "besten Migrationshintergrund" fördern. Wie war das nochmal bei den Flüchtlingen: "Die Beherrschung der deutschen Sprache ist der Schlüssel zur gelungenen Integration."
Aber wie titelte schon Sarrazin: "Deutschland schafft sich ab" - und die rot-grüne NRW-Landesregierung möchte wohl unbedingt Vorreiter sein. Na dann: iyi geceler Almanya, Оқулықпен жұмыс Германия, buonanotte Germania, laylat saeidat 'almania...
Freitag, 29. Juli 2016
Die deutsche Bildungslücke wird zum Scheunentor
Das waren noch Zeiten: 1910 war die gesamtwissenschaftliche Literatur der Welt zu über 50 Prozent auf Deutsch verfasst. Überproportional viele Nobelpreisträger kamen aus Deutschland. Das war ein Erfolg der von Wilhelm von Humboldt konzipierten und durchgesetzten Bildungsreform. Humboldt ging von der Überzeugung aus, aus der Unterschiedlichkeit der Menschen und ihrer Begabungen folge, dass ein einheitliches Anforderungsniveau den einen überfordert, den anderen langweilt.
Deshalb führte Humboldt ein dreigliedriges Schulsystem ein: 90 Prozent der Schüler besuchten die Volksschule, erst für sechs, dann für acht, später für zehn Jahre. Eine Ergänzung bildete ab dem 19. Jahrhundert die Realschule , auf der man die mittlere Reife erwerben konnte. Für fünf Prozent der Schüler gab es das von Humboldt konzipierte Gymnasium, dessen erfolgreicher Abschluss zur Aufnahme eines Studiums berechtigte.
Samstag, 9. Juli 2016
"Größte Baustelle ist die Inklusion"
Das Schuljahr ist vorbei. Dorothea Schäfer, die NRW-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sieht noch viele schulpolitische "Baustellen" im Land. Der gemeinsame Unterricht (Inklusion) funktioniere noch nicht; an Grundschulen herrsche Lehrermangel, sagt sie im Gespräch.
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