Es sind Zahlen, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen wollen. Allein in Sachsen sind tausende Lehrstellen unbesetzt, bundesweit sind es mehr 30.000. Gleichzeitig gibt es immer mehr junge Erwachsene, die gar keinen Berufsabschluss haben. Lediglich 38 Prozent der Männer und Frauen zwischen 25 und 34 Jahren konnte im vergangenen Jahr einen solchen Abschluss vorweisen, ergibt die Auswertung der aktuellen OECD-Bildungsstudie. Noch 2015 waren es reichlich 50 Prozent. Welche beruflichen Pläne haben junge Leute heute?
Der Wirtschaft fehlen die geeigneten Lehrlinge, an den Universitäten stapeln sich die Studenten - was läuft schief im Land der Dichter und Denker?
Donnerstag, 26. Oktober 2023
Sonntag, 24. September 2023
Abitur in NRW 2023: 2000 junge Leute erreichen 1,0-Schnitt
2000 Schülerinnen und Schüler haben in diesem Jahr in Nordrhein-Westfalen ihr Abitur mit der Traumnote 1,0 gemacht. Für diese außergewöhnliche Leistung wurden die Spitzen-Absolventinnen und -Absolventen von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst und Schulministerin Dorothee Feller (beide CDU) mit einer Urkunde und einem 20 Euro-Büchergutschein geehrt.
«Um eine solch außergewöhnliche Leistung zu vollbringen, sind neben Talent und Begabung viel Fleiß, harte Arbeit und sicherlich die eine oder andere Entbehrung notwendig gewesen», hieß es in einem Schreiben von Wüst und Feller an die Absolventen.
Geehrt wurden auch 14 Geschwisterpaare und 28 Absolventinnen und Absolventen mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung, die eine Abschlussnote bis 1,3 erreicht hatten.
2022 hatte laut Statistik der Kultusministerkonferenz in jedem Bundesland mindestens jeder vierte Abiturient eine Durchschnittsnote von 1,0 bis 1,9, was unter anderem mit der Corona-Pandemie begründet wurde. An den herausragenden Abiturergebnissen regte sich aber auch Kritik: Experten warnen vor einer «Noteninflation» - Benotungen könnten dadurch immer weniger Wert sein und der Bildungsstandard zugleich sinken.
Dienstag, 12. September 2023
Akademikerschwemme, mehr Niedriggebildete – und die bedenkliche Lücke dazwischen
Deutschland ist OECD-weit fast das einzige Land, in dem die Zahl der jungen Menschen ohne höheren Schul- oder Berufsabschluss in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Gleichzeitig aber steigt die Zahl der Akademiker. Den klassischen Ausbildungsweg beschreiten hingegen immer weniger junge Leute – obwohl Deutschland mit der dualen Berufsausbildung nach wie vor einen großen Standortvorteil hat.
Das sind einige der zentralen Befunde der Studie „Bildung auf einen Blick 2023“, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag vorgestellt hat.
Sonntag, 6. August 2023
«Eltern sehen sich nicht in der Verantwortung»: warum die Schule in Deutschland immer schlechter funktioniert
«Ich bin robust», sagt die Grundschullehrerin aus Berlin, «aber inzwischen gibt es Klassen, bei denen ich nicht mehr weiterweiss. Die Kinder schreien nur noch. Wenn irgendetwas nicht so ist, wie sie wollen, dann schreien sie. Keine Worte oder Sätze. Sie schreien einfach.»
Wenn sie einzelne – besonders arabisch- oder türkischstämmige – Schüler ermahne, werde ihr von diesen häufig entgegengeschleudert, sie sei eine «Rassistin», sagt die 55-Jährige, die namentlich nicht genannt werden möchte – «von Drittklässlern!».
Ein Schulleiter aus Nordrhein-Westfalen erzählt, dass zur Abschlussfeier vor den Sommerferien mehrere Väter im Muskelshirt erschienen seien: «Ein Mann telefonierte, während der Chor sang. Eine Mutter ist drei Mal zum Rauchen hinausgelaufen. Mehrere Eltern kamen zu spät. Ich musste meine sechsminütige Rede vier Mal unterbrechen und um Ruhe bitten.»
Künftig werde man auf die Einladungen zur feierlichen Verabschiedung der Absolventen den Satz «Wir bitten um festliche Kleidung» drucken – und einen genauen Ablaufplan, der die Eltern darüber in Kenntnis setze, wie lange jeder einzelne Programmpunkt dauere und sie mithin ohne Zigarette oder Handy auskommen müssten. «Es hilft ja nichts», sagt der Schulleiter: «Wir können nur mit dem arbeiten, was wir haben.»
Die Disziplinprobleme in ihren Klassen seien oft so massiv, dass sie einigermassen zufrieden sei, wenn sie in einer 45-minütigen Schulstunde auf 20 Minuten effektive Unterrichtszeit komme, sagt die Lehrerin einer Gemeinschaftsschule in Schleswig-Holstein: «Dann bin ich gut.»
Freitag, 28. Juli 2023
Immer mehr Azubis machen keinen Abschluss
Immer mehr Auszubildende verlassen die beruflichen Schulen in Baden-Württemberg ohne einen Berufsabschluss. Das geht aus dem neuen Bildungsbericht für Baden-Württemberg hervor. Demnach lag der Anteil der Auszubildenden, die eine berufliche Schule mit einem Abschluss verließen, im Jahr 2022 mit 78 Prozent auf einem historischen Tief. Im Jahr 2012 habe die Quote noch bei 85 Prozent gelegen.
«Sollte sich dieser Trend weiter fortsetzen, wird sich der Fachkräftemangel weiter verschärfen», sagte Jan Spieker vom Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW) bei der Vorstellung des Berichts am Donnerstag in Stuttgart. Besonders stark ist der Rückgang der Quote erfolgreicher Abschlüsse dem Bericht zufolge an Schulen für Berufe des Gesundheitswesens und an Fachschulen.
Kultusministerin Theresa Schopper nannte als Ursache für den Rückgang die Corona-Pandemie. «In der Hotellerie beispielsweise sind viele Ausbildungsverhältnisse nicht zu Ende geführt worden», sagte die Grünen-Politikerin. Zudem seien in der Statistik inzwischen auch Schülerinnen und Schüler erfasst, die in der ersten Fluchtbewegung 2015/2016 nach Deutschland gekommen waren. Diese seien oft im praktischen Teil der Ausbildung sehr erfolgreich, hätten aber teils Probleme beim theoretischen Teil, so Schopper.
Weitere Probleme sieht der Bericht in Baden-Württemberg bei den mangelnden sprachlichen Kompetenzen von Grundschülern, großen Unterschieden zwischen den Geschlechtern und dem immer noch starken Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg.
Mittwoch, 26. Juli 2023
Immer mehr Abiturienten unter Auszubildendenden
Immer mehr junge Menschen mit Abitur entscheiden sich für eine Berufsausbildung. Im Jahr 2011 lag der Anteil noch bei 23,0 Prozent, zehn Jahre später bei 29,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte. Der Anteil der Auszubildenden mit Realschulabschluss blieb mit gut 41 Prozent nahezu unverändert, während der Anteil der Hauptschulabsolventen von 31,6 Prozent auf 24,0 Prozent sank.
Die schulische Vorbildung hat nach Angaben der Statistiker großen Einfluss auf die Berufswahl. So war 2021 der beliebteste Ausbildungsberuf für Abiturienten oder Fachabiturienten der des Fachinformatikers (10,8 Prozent). Junge Männer mit Real- oder Hauptschulabschluss entschlossen sich hingegen am häufigsten für eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker. Abiturientinnen wählten am häufigsten eine Ausbildung zur Bürokauffrau (10,8 Prozent), junge Frauen mit Realschulabschluss eine zur medizinischen Fachangestellten und Hauptschulabsolventinnen zur Verkäuferin.
In einigen Berufen ist die Hochschul- oder Fachhochschulreife nahezu Voraussetzung für einen Ausbildungsvertrag. So liegt der Anteil der Abiturientinnen oder Fachabiturienten unter den Auszubildenden als mathematisch-technische Softwareentwickler bei 96 Prozent, wie das Statistikamt erklärte. In den Berufen Kauffrau für Marketingkommunikation und Medienkaufmann Digital und Print lag der Anteil jeweils bei rund 85 Prozent.
Samstag, 15. Juli 2023
Lehrkräfte sollen Abinoten manipuliert haben
Wismar. In Wismar sind zwei Lehrkräfte der Großen Stadtschule suspendiert worden. Ihnen wird vorgeworfen, die Abinoten einer Schülerin und eines Schülers verbessert zu haben. Die »Ostsee Zeitung« hatte über den Fall berichtet.
Der Vorwurf geht aus einem anonymen Brief von Eltern hervor, der an Bildungsministerin Simone Oldenburg (Die Linke) persönlich gerichtet war. Darin heißt es der Zeitung zufolge, es handele sich um eine Schülerin, die einen besseren Durchschnitt für ihr Studium brauchte, und um einen Schüler, der durchgefallen war und nach Veränderung der Note doch noch bestanden habe.
Die Lehrkräfte, die unter Verdacht stehen, sind nach Informationen der »Ostsee Zeitung« am Donnerstag suspendiert worden. Das bestätigte das Bildungsministerium auf Nachfrage der Zeitung. Laut »Bild« haben sich auch andere Lehrer beim Ministerium gemeldet, nachdem sie von den angeblichen Manipulationen in der mündlichen Prüfung gehört hatten.
Das Schweriner Bildungsministerium teilte auf Anfrage des NDR mit, dass der Sachverhalt sowie arbeits- und dienstrechtlichen Maßnahmen überprüft werden. Deshalb könne man derzeit keine weiteren Angaben machen. Die Große Stadtschule Wismar ist eines der bekanntesten Gymnasien des Landes Mecklenburg-Vorpommern.
Nun soll die Staatsanwaltschaft ermitteln, ob die Eltern der beiden Schüler für die angebliche Notenverbesserung womöglich Geld zahlten.
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