Mittwoch, 18. Dezember 2024

Früher eine Vier, heute eine Zwei

Belastende Inhalte in Social Media, (Online-)Mobbing, psychologische Auffälligkeiten bei Schülerinnen und Schülern - angesichts dieser Herausforderungen erhob Bildungsforscher Olaf Köller am Mittwochabend bei "Markus Lanz" einen Ruf nach "Schule als Erziehungsort": "Im Unterricht muss Schule bilden und den ganzen Tag muss sie erziehen. Das steht jetzt stärker an als je zuvor.", so Köller. Schule sei auch dazu da, zu Dingen zu motivieren, die keinen Spaß machen. Doch dieser Anspruch an Bildung sei verloren gegangen. Köller erklärte: "Wenn wir höhere Löhne bei weniger Arbeit fordern, damit die Leute sich die Freizeit finanzieren können und nicht etwa mehr Anstrengung honoriert wird, dann ist das ein gesellschaftliches Phänomen, was wir eben auch in Schulen beobachten." 

Mittwoch, 11. Dezember 2024

Schülervertretung und GEW berichten von Versagensängsten bei Viertklässlern

Weinende Kinder, Sorgentelefone: Viertklässler in Baden-Württemberg müssen für die verbindliche Grundschulempfehlung für das Gymnasium an neuen Tests teilnehmen. Der Landesschülerbeirat berichtet von »alarmierenden Zuständen«. 
Bereits nach den ersten Tests erreichten den Landesschülerbeirat von Baden-Württemberg nach eigenen Angaben »zahlreiche Berichte über alarmierende Zustände«: Grundschulkinder seien während der Tests in Tränen ausgebrochen, und Eltern und Lehrkräfte derart verzweifelt gewesen, dass Sorgentelefone eingerichtet worden seien. Auslöser für den Ärger ist die Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung fürs Gymnasium in Baden-Württemberg und der damit einhergehenden Tests.

Dienstag, 12. November 2024

„Diese Jugendlichen können im Grunde genommen nur klicken und wischen“

„Deutlicher und signifikanter Kompetenzrückgang“: Achtklässler in Deutschland bauen bei den IT-Kenntnissen ab, zeigt eine Studie. Mehr als 40 Prozent sind auf einem Stand, den die Forscher als „sehr besorgniserregend“ bezeichnen. 

Es ist kurios: Kinder der Generation der Digital Natives wachsen seit frühester Kindheit mit digitalen Endgeräten auf. Sie swipen und tippen in einer Geschwindigkeit auf ihren Smartphones herum, dass ihren Eltern Hören und Sehen vergeht. Und doch nimmt das grundlegende Verständnis für die technischen Hintergründe der elektronischen Alltagshelfer immer weiter ab. Das zeigt die „International Computer and Information Literacy Study“ (ICILS) 2023, die am Dienstag von der Kultusministerkonferenz vorgestellt wurde. Unter der Leitung von Erziehungswissenschaftlerin Birgit Eickelmann von der Universität Paderborn werden darin alle fünf Jahre die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von Achtklässlern in Deutschland im internationalen Vergleich getestet. 

Donnerstag, 7. November 2024

"Wenn ich König von Deutschland wäre... würde ich zurückgehen zu einem gestaffelten Bildungssystem"

Gegen eine höhere Qualität in der Bildung kann ja nun niemand ernsthaft etwas haben. Die Frage ist nur, ob alle Beteiligten unter Qualität dasselbe verstehen und ob die angestoßenen Maßnahmen den gewünschten Effekt haben. In Deutschland gibt es angesiedelt an der Humboldt-Universität in Berlin das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, kurz IQB. Was ist dessen Rolle und dient seine Arbeit wirklich der Verbesserung der Bildung im Land? Und wenn nicht, was bräuchten wir denn stattdessen? Darüber sprach Stefan Milius (KONTRAFUNK) mit Professor Dr. Bernhard Krötz, Mathematiker und Hochschullehrer an der Universität Paderborn.

KONTRAFUNK: Herr Krötz, Sie treten unter anderem mit Videos auf YouTube immer wieder als Kritiker des Mathematikunterrichts in Deutschland auf und bemängeln dessen Qualität. Da müsste Ihnen ein Institut wie das IQB ja bestens bekannt sein, das sich der Qualitätsentwicklung in der Bildung verschrieben hat. Aber vor ein paar Monaten haben Sie in einem Video mal erklärt, noch nie davon gehört zu haben. Das müssen Sie uns zunächst mal erklären, wie das kommen kann.

KRÖTZ: Ich bin eigentlich in das Ganze ein bisschen reingerutscht, weil ich ein Video gemacht habe über einen Ländervergleich zwischen dem Abitur in Deutschland und den Aufnahmeprüfungen in Indien für die IITs, die Indian Institutes of Technology. Das fiel verheerend aus. Bis dato war unser Kanal sehr klein mit 15.000 Aufrufen und 150 Abonnenten. Dieses Video hat jetzt bis heute, glaube ich, 300.000 Aufrufe, und innerhalb kürzester Zeit war ich dann in den Medien. Viele Leute wollten mit mir sprechen, und dann habe ich begonnen, auch mit den vielen Zuschriften, die ich von den Zuschauern bekommen habe. Wir haben mittlerweile mehrere Leitzordner gefüllt, um mich mehr in diese Materie einzuarbeiten, und dann bin ich eben auf das IQB gestoßen und was das mit Qualität in der Bildung in Deutschland zu tun hat.

Donnerstag, 31. Oktober 2024

"Wenn ich im 5. Schuljahr 30 Kinder in einer Klasse haben, dann machen von denen etwa 15 am Schluss Abitur" - ein Mathematiklehrer packt aus

Die Leistungen in Mathematik befinden sich seit Jahren im freien Fall. Dies belegen die von der OECD erhobenen PISA-Studien. Allein der Leistungsrückgang zwischen der PISA-Studie 2018 und 2022 entspricht einem ganzen Schuljahr. Dies gilt auch für den Bereich des Lesens in der deutschen Sprache. Deshalb stellt sich automatisch die Frage, ob die sprachlichen Defizite nicht auch einen negativen Einfluss auf die Leistungen in Mathematik nach sich ziehen. 
Mit Thomas Hechinger, Mathematiklehrer an einem Gymnasium in Baden-Württemberg, sprach Klaus Rüdiger (KONTRAFUNK) über die Folgen der sprachlichen Defizite für den Mathematikunterricht.

Dienstag, 10. September 2024

Die Leistungen werden immer schlechter, die Noten immer besser

Das Gymnasium ist heute die beliebteste und erfolgreichste Schulform. In den Großstädten sind weit über 50 Prozent der Schulabgänger Abiturienten. Auch in meinem ländlich geprägten Landkreis Rotenburg (Wümme) zwischen Bremen und Hamburg haben wir mittlerweile die 40-Prozent-Marke erreicht. Tatsache ist aber auch, dass die Leistungen immer schlechter und die Noten immer besser werden. Ein Paradox, das sich nur darauf zurückführen lässt, dass die Leistungsansprüche gesunken sind. Dies ist das Ergebnis eines langen gesellschaftlichen Prozesses, an dem Politik und Wirtschaft gleichermaßen beteiligt waren. 

Dienstag, 3. September 2024

Bloß keine Kritik! Rasenmäher-Eltern ziehen verweichlichte Jugendliche heran

Es ist traurig, wenn die Schönwettergesellschaft einer reichen Gemeinde einem Fußball-Weltmeister vorschreiben will, wie er ihre Kinder trainieren soll. Kein Wunder, also dass Matthäus hingeschmissen hat. Er tat gut daran. Denn seine Kritik offenbart, was schiefläuft bei der Erziehung. Kennen Sie Grünwald? Nein? Dann leben Sie – im Gegensatz zu mir – nicht in Bayern. Was nicht schlimm ist, so ist es nicht gemeint. Verpasst haben Sie ohnehin nichts.