Freitag, 25. Oktober 2019

Nicht einmal jeder zweite Neuntklässler erfüllt Standards - Lernziele bei Mathe oft verfehlt

Berlin. Die Leistungen von Neuntklässlern in Mathematik, Biologie, Physik und Chemie sind im Vergleich zu 2012 in den meisten Bundesländern teilweise deutlich gesunken. Weniger als die Hälfte von ihnen entspricht im Fach Mathematik den von der Kultusministerkonferenz definierten Standards. Ein Viertel erfüllt nicht einmal minimale Anforderungen. Das geht aus dem aktuellen Bildungstrend des Berliner Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) hervor. Das IQB testete rund 45 000 Schüler aller Schulformen. Verglichen wurden die Daten mit denen aus des ersten Bildungstrends von 2012.

Montag, 16. September 2019

Schwierige Suche nach Polizei-Nachwuchs

Düsseldorf. Bei der NRW-Polizei spricht man gerne über die hohe Anzahl an Bewerbern für die Ausbildung und von einem großen Pool, aus dem man schöpfen könne. 11 246 Kandidaten sind es fürs Einstellungsjahr 2018 gewesen, 2300 (864 Frauen, 1416 Männer) von ihnen wurden genommen. Dass aber von den 11 246 bereits viele nicht die einfachsten Anforderungen erfüllt haben, hört man eher selten. Allein schon 1143 Bewerber schieden aus, weil sie keine Unterlagen eingereicht haben – immerhin rund zehn Prozent. Besonders erschreckend: Gegen 5,5 Prozent der Gesamtbewerber, also rund 620, lagen Ermittlungsverfahren bei der Polizei vor. Das geht aus dem Jahresbericht 2018 des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) zur polizeilichen Einstellungskampagne hervor, der unserer Redaktion vorliegt. 

Ist das Abitur zu einfach geworden?

Berlin. Die Zahl der Einser-Abiturienten in Deutschland nimmt deutlich zu. Hatte 2008 noch ungefähr jeder fünfte Schulabsolvent einen Notenschnitt von mindestens 1,9, war es 2018 bereits mehr als jeder vierte. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unserer Redaktion in allen 16 Bundesländern. Demach ist in den vergangenen zehn Jahren der Anteil der Einser-Abiturienten in 15 von 16 Bundesländern gestiegen. Allein Baden-Württemberg verzeichnete einen leichten Rückgang. Deutschlandweit stieg der Anteil von 20,2 auf 25,8 Prozent. Die Daten beziehen sich auf die Ergebnisse des Abiturjahrgangs 2018. Mit einer Ausnahme: Schleswig-Holstein konnte als einziges Bundesland nur Zahlen von 2017 vorlegen. 

Mittwoch, 11. September 2019

Lehrermangel größer als angenommen

Düsseldorf. In Deutschland fehlen einer aktuellen Studie zufolge deutlich mehr Grundschullehrer als gedacht. Bis zum Jahr 2025 werden der Bertelsmann-Stiftung zufolge 26 300 Pädagogen für die Primarstufe gebraucht und damit noch einmal 11 000 mehr als bisher von der Kultusministerkonferenz (KMK) prognostiziert. Die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte dazu: „Die heutigen massiven Auswirkungen des Lehrermangels würden NRW nicht so hart treffen, hätte die Vorgängerregierung die Anzahl der Studienkapazitäten in der Vergangenheit schon frühzeitig erhöht und wären aufgrund dessen nicht an einigen Universitäten zwei von drei Bewerbern für ein Lehramtsstudium Grundschule abgelehnt worden.“ Die Landesregierung steuere aber gegen. 2017 und 2018 seien 1169 Lehrerstellen besetzt worden, vor allem auch an Grundschulen. Zum Schuljahresende fehlten demnach in NRW aber über alle Schulformen hinweg 3200 Vollzeitlehrkräfte. Der Unterschied zwischen der KMK-Prognose und der Bevölkerungsprognose des Statistischen Bundesamtes beträgt der Landesregierung zufolge für NRW 5,5 Prozent. „Damit läuft die Kritik der Autoren für das Land NRW ins Leere“, hieß es im Schulministerium. 

Dienstag, 23. Juli 2019

Bund will deutschlandweite Standards für das Abitur

Berlin. Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat sich für „einheitliche Standards in den Schulen in allen Bundesländern“ ausgesprochen. Insbesondere hat sie das Abitur im Blick. „Ein Abitur mit länderübergreifend gleichen Prüfungsanforderungen muss in absehbarer Zeit kommen – schon aus Gründen der Gerechtigkeit“, sagte Karliczek unserer Redaktion. Die CDU-Politikerin verwies darauf, dass für den Hochschulzugang vielfach immer noch die Abiturnote entscheidend sei. „Die Anforderungen an alle Abiturienten müssen in Deutschland vergleichbar sein“, sagte sie. Karliczek forderte die Länder auf, „ihre Bemühungen für eine bessere Vergleichbarkeit bei den Bildungsabschlüssen“ zu erhöhen, und begrüßte die von der baden-württembergischen Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) begonnene Debatte, die zuerst ein bundesweites Zentralabitur gefordert hatte. Die Kultusminister der Länder reden seit Jahrzehnten über die Gleichwertigkeit von Abiturprüfungen.
Seit 2017 gibt es einen bundesweiten Aufgabenpool für die Abiturprüfungen in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch. Allerdings können die Länder selbst entscheiden, wie viele Aufgaben sie daraus entnehmen, diese noch verändern und unterschiedlich bewerten. „Der Aufgabenpool ist gescheitert“, resümierte Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Er verfährt nach dem Motto: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.“ Der Aufgabenpool brauche mehr Verbindlichkeit, forderte der Verbandschef. In seinem eigenen Verband sei die Frage nach einem Zentralabitur umstritten, betonte Meidinger. Er warnte aber vor einer Entwertung des Abiturs, wenn nicht bald mehr Verbindlichkeit einziehe. Die Hochschulzulassungen nach Abiturnote seien juristisch anfechtbar, wenn nicht gewährleistet sei, dass für die gleichen Noten auch die gleichen Leistungen erbracht werden müssten. Die Universitäten würden irgendwann eigene Eingangsprüfungen machen.
Verbessert hat sich der Notendurchschnitt deutscher Abiturienten in den letzten Jahren. 2006 beispielsweise lag der Durchschnitt in NRW bei 2,66, in Bayern bei 2,43. 3,8 Prozent der Prüflinge fielen bundesweit 2017 durchs Abitur. Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor. 2009 waren es noch 2,4 Prozent. Andererseits erreicht mittlerweile ein Viertel der Abiturienten einen Schnitt mit einer 1 vor dem Komma.

Montag, 15. Juli 2019

Kommentar zum Schreiben nach Gehör - Endlich zurück zur Vernunft!

Kinder brauchen Orientierung. Das gilt für die Erziehung, aber gleichermaßen auch für das Lernen in der Schule. Ohne Regeln einzuüben, ohne verbindliche Leitplanken, an denen sie sich entlang hangeln können, bleibt der Lernerfolg fraglich. Nun soll also in den Grundschulen des Landes die seit vielen Jahren umstrittene Methode „Lesen durch Schreiben“, auch als „Schreiben nach Gehör“ („Ich fare in Färien“) bekannt, abgeschafft werden. Das ist gut so. Und man kann nur sagen endlich. 
Denn letztlich lief die Methode darauf hinaus, dass sich die Kinder durch Versuch und Irrtum die Rechtschreibung selbst beibringen sollten. Entsprechend schlecht waren die Ergebnisse. Jahrelang gab es nicht nur Unverständnis, sondern auch zahllose Proteste aus der Elternschaft, weil viele Schüler im vierten Schuljahr immer noch nicht die deutsche Rechtschreibung ausreichend beherrschten. Um hier wieder Vernunft und gesunden Menschenverstand statt ideologisch geprägter Vorgaben (Kinder sollten in ihrer freien Lernerfahrung nicht beeinträchtigt werden) in die Lehrpläne der Schulen zu bringen, bedurfte es am Ende einer wissenschaftlichen Studie von Bonner Psychologen, die die Leistungen von 3000 Grundschulkindern in NRW verglichen hatten. Schulministerin Yvonne Gebauer hat daraus zu Recht die Konsequenzen gezogen. 
Ab dem neuen Schuljahr wird die Rechtschreibung wieder mit einer modernen Fibel und mit Hilfe des Lehrers als Wissensvermittler, der das Geschriebene auch korrigiert und einübt, gelehrt und kontrolliert. Das hat nichts mit der Rückkehr zu konservativen Lehrmethoden zu tun, sondern mit Alltagserfahrung aus allen Bereichen menschlichen Lebens: Nur systematisches und strukturiertes Training führt zum Ziel.

Schulministerium schafft „Schreiben nach Gehör“ ab

Düsseldorf - Die Landesregierung schafft die Methode „Schreiben nach Gehör“ in Reinform an den Grundschulen ab. Wie aus einem neuen Leitfaden für Lehrer hervorgeht, sollen Schüler künftig auch im ersten Schuljahr schon zum richtigen Schreiben angehalten werden. Im Vorwort des insgesamt 70-seitigen Papiers des Schulministeriums heißt es: „Dies gilt auch für die erste Klasse, denn schon Schreibanfängerinnen und Schreibanfänger brauchen Hinweise auf normgerechte Schreibungen und Anregungen, dem System unserer Orthografie auf die Spur zu kommen, damit sie nicht denken, dass man ‚schreibt wie man spricht“.