Donnerstag, 9. Juli 2026

„Generation KI” statt Köpfchen?

So angenehm und nützlich KI auch ist, sie macht uns zu faulen Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, selbst nachzudenken. So lautet zumindest das häufig formulierte Worst-Case-Szenario, wenn der Nutzen von Künstlicher Intelligenz diskutiert wird. Dass diese Theorie nicht völlig aus der Luft gegriffen scheint, belegen aktuelle Zahlen des dänischen Schulverbandes „Danske Gymnasier“.

Wie die Rundfunkanstalt DR erklärt, hat der Verband im vergangenen Jahr Stichproben in elf dänischen Oberstufen durchgeführt. Er kommt zu dem Schluss, dass besonders die Schreibkompetenz der Schüler seit der Erlaubnis von KI im Unterricht deutlich abgenommen hat.

„Untergräbt Kompetenz der Schüler”: Schriftliche Dänisch-Noten sorgen für KI-Diskussion

Während die Durchschnittsnoten im Fach „Schriftliches Dänisch” in den vergangenen zehn Jahren (vor Einführung von KI) immer zwischen 6,5 und 6,8 lagen, fiel der Wert 2026 auf nur 6,1. Ein deutlicher Rückgang, der darin begründet sein könnte, dass Schüler außerhalb von Prüfungen auf KI zurückgreifen können.

„KI verbessert zwar die Lösung der Aufgabe im Hier und Jetzt, untergräbt aber langfristig die Fähigkeit oder Kompetenz der Schüler, Aufgaben zu lösen und zu schreiben”, bestätigt auch Oberstufenlehrer Anders Frikke gegenüber DR. Sie würden befürchten, dass die Kinder die Fähigkeit verloren haben, genauso gut zu schreiben wie früher, erklärt auch Schulleiterin Maja Bødtcher-Hansen.

Eine Prognose, die der dänischen Regierung Anlass zur Sorge gibt. Aus diesem Grund wird aktuell an einem „Sofortpaket” gearbeitet, das diese Entwicklung bremsen soll. In Zukunft könnten Prüfungsformen wieder stärker auf Stift und Papier ausgelegt sein. Ganz verboten werden sollte KI allerdings nicht, sagen Gegenstimmen. In einer Welt, die sich künftig um KI drehen wird, müssten Kinder lernen, damit umzugehen.

Deutsche Schüler nutzen europaweit am meisten KI

Deutschlands Schüler bilden keine Ausnahme, für viele ist KI ganz selbstverständlich Teil des Schulalltags. Wie eine Analyse der Vodafone Stiftung zeigt, nutzen rund drei Viertel der Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren regelmäßig KI-Tools für Hausaufgaben oder die Vorbereitung. Deutsche Schüler haben zudem häufiger Zugang als der europäische Schnitt: 44 Prozent können jederzeit auf KI-Technologie zugreifen.

Wissenschaft schlägt Alarm

Genau an diesem Punkt schlägt die Bildungsforschung Alarm. Das Deutsche Schulportal betont, dass der Lerneffekt massiv in den Keller geht, wenn die KI den Schülern die eigentliche „Denkarbeit” abnimmt.

Besonders generative Sprachmodelle sollen den Lernprozess massiv behindern können. Wer nicht mehr selbst schreibt, strukturiert und formuliert, trainiert laut des Deutschen Schulportals auch sein Gehirn nicht mehr. Die Konsequenz: Auch in Deutschland fordern Experten und die Kultusministerkonferenz längst neue Prüfungsformen.

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