Samstag, 30. Juli 2016

NRW will Mehrsprachigkeit fördern

DÜSSELDORF. Die Landesregierung will Kinder und Jugendliche, die mit mindestens zwei Sprachen aufwachsen, sprachlich intensiver fördern. "Wir sind im Gespräch mit einem halben Dutzend Städten und Kreisen, insbesondere mit Kommunen im Ruhrgebiet, die wir für ein Modellprojekt zur Förderung von Mehrsprachigkeit gewinnen möchten", sagte Integrations-Staatssekretär Thorsten Klute (SPD) dieser Zeitung. Auf lange Sicht wolle man sogar in 50 Stadtteilen in NRW eine lückenlose Förderung von Mehrsprachigkeit durchsetzen. Heißt: mehrsprachiger Unterricht von der Kita möglichst bis zum Berufskolleg. In NRW hat etwa jeder vierte Einwohner einen Migrationshintergrund, rund 2,2 Millionen Menschen besitzen einen ausländischen Pass. Oft sprechen zugewanderte Kinder weder gut deutsch noch beherrschen sie die Sprache ihrer Eltern vernünftig. (!!!)
"Aber Mehrsprachigkeit ist kein Klotz am Bein, sondern sie ist ein Schatz, den Kinder und Jugendliche mitbringen", sagt Klute. Diesen Schatz gelte es zu heben. Noch vor 20 Jahren sei Mehrsprachigkeit in Deutschland sogar bewusst unterbunden worden. "Da mussten sich Schüler, die sich auf dem Schulhof zum Beispiel auf Türkisch, Russisch oder Italienisch unterhielten, von Lehrern Kommentare wie ,Hier wird aber deutsch gesprochen' anhören. Wir wollen Mehrsprachigkeit heute nicht unterbinden, sondern ganz im Gegenteil fördern." Eine Konkurrenz zum Deutschlernen entstehe dadurch nicht. Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, hätten große Vorteile und mehr Chancen im Leben. Davon profitiere die Gesellschaft insgesamt. Tatsächlich haben zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass sich Kinder, die mehrere Sprachen gut beherrschen, besser konzentrieren können, sogar leichter Konflikte lösen und sich besser in andere Menschen hineinversetzen. Rund 40.000 Schüler in NRW bekommen heute schon herkunftssprachlichen Unterricht. Allerdings beschränkt sich dieser Unterricht auf die Grundschulen. Im Grunde müsste Mehrsprachigkeit von der frühesten Kindheit bis zum Berufseintritt unterstützt werden, so das Integrationsministerium. Neben der Landesregierung sind an dieser Initiative der Landesintegrationsrat und die Landesweite Koordinierungsstelle der Kommunalen Integrationszentren (LaKI) beteiligt.

Kommentar:  Ob die jetzt schon schlechten Deustchkenntnisse dadurch besser werden, dass man die Kenntnisse in der Zweitsprache fördert, darf wohl angezweifelt werden. Und dass da, wo in deutschen Kitas und Schulen verschiedene Nationen aufeinandertreffen, nur Deutsch die gemeinsame Sprache sein kann um "Konflikte zu lösen", dürfte wohl eher eine Binsenweisheit sein. Alles andere würde nur das nationale Cliquentum und den ewig schwelenden Streit um den "besten Migrationshintergrund" fördern. Wie war das nochmal bei den Flüchtlingen: "Die Beherrschung der deutschen Sprache ist der Schlüssel zur gelungenen Integration."
Aber wie titelte schon Sarrazin: "Deutschland schafft sich ab" - und die rot-grüne NRW-Landesregierung möchte wohl unbedingt Vorreiter sein. Na dann: iyi geceler Almanya, Оқулықпен жұмыс Германия, buonanotte Germania, laylat saeidat 'almania...

Freitag, 29. Juli 2016

Die deutsche Bildungslücke wird zum Scheunentor

Das waren noch Zeiten: 1910 war die gesamtwissenschaftliche Literatur der Welt zu über 50 Prozent auf Deutsch verfasst. Überproportional viele Nobelpreisträger kamen aus Deutschland. Das war ein Erfolg der von Wilhelm von Humboldt konzipierten und durchgesetzten Bildungsreform. Humboldt ging von der Überzeugung aus, aus der Unterschiedlichkeit der Menschen und ihrer Begabungen folge, dass ein einheitliches Anforderungsniveau den einen überfordert, den anderen langweilt. Deshalb führte Humboldt ein dreigliedriges Schulsystem ein: 90 Prozent der Schüler besuchten die Volksschule, erst für sechs, dann für acht, später für zehn Jahre. Eine Ergänzung bildete ab dem 19. Jahrhundert die Realschule , auf der man die mittlere Reife erwerben konnte. Für fünf Prozent der Schüler gab es das von Humboldt konzipierte Gymnasium, dessen erfolgreicher Abschluss zur Aufnahme eines Studiums berechtigte.

Samstag, 9. Juli 2016

"Größte Baustelle ist die Inklusion"

Das Schuljahr ist vorbei. Dorothea Schäfer, die NRW-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sieht noch viele schulpolitische "Baustellen" im Land. Der gemeinsame Unterricht (Inklusion) funktioniere noch nicht; an Grundschulen herrsche Lehrermangel, sagt sie im Gespräch.