Freitag, 22. August 2025

Dümmer, als die Polizei erlaubt: Deshalb fehlt es Berliner Ordnungshütern an Bewerbern

Diese Botschaft hat es in sich: Immer weniger junge Menschen wollen eine Ausbildung bei der Berliner Polizei beginnen. Und von denen, die es wollen, sind nicht wenige – etwas salopp gesagt – dümmer, als die Polizei erlaubt. Und das hat Gründe. Ein Fünftel der Ausbildungsplätze an der Polizeiakademie in Ruhleben bleibt in diesem Herbst leer. Auch an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR), wo der Polizeinachwuchs ab 1. Oktober ein Bachelor-Studium für Kommissar-Anwärter absolviert, sieht es düster aus. Dort gibt es 330 Plätze. Doch auch diese werden schon zum wiederholten Mal nicht vollständig besetzt, ist dort zu vernehmen. Die Zeiten, als der Polizeiberuf bei Berufswünschen auf Platz 1 der Rangliste stand (gleich über Journalist übrigens), sind schon eine Weile vorbei. 
Das hat verschiedene Ursachen, für die die Demografie nur eine Erklärung liefert. Um die weniger gewordenen Schulabgänger konkurrieren der öffentliche Dienst und die freie Wirtschaft. Die einen locken mit Jobsicherheit, die anderen mit guten Verdienstmöglichkeiten. Ein anderer Grund, weshalb das Polizistendasein unattraktiver geworden ist: Die Wirklichkeit auf den Straßen ist rauer geworden. Wer möchte als Prellbock der Menschheit schon täglich beschimpft werden von Junkies, Linksradikalen, Neonazis, Clanfamilien, „propalästinensischen“ Demonstranten und dem falsch parkenden Familienpapi? Oder wer will dem mittlerweile üblichen „Rassismus“-Vorwurf des Drogendealers und Schlägers ausgesetzt sein, wo man das Gegenteil beweisen muss? 
Die Berliner Polizei, mit 27.000 Beschäftigten größte Polizeibehörde Deutschlands, gehört nicht gerade zu den kleinen Playern auf dem Arbeitsmarkt. Hier gibt es Jobs und viel Arbeit, zumal in den kommenden Jahren ein gutes Drittel der Mitarbeiter in Pension oder Rente geht. Beim Werben um Nachwuchs ist die Behörde nicht mehr so schwerfällig wie vor einigen Jahren. Inzwischen wurde das Bewerbungsverfahren optimiert. Wer zur Polizei will, erfährt online seinen Bewerbungsstatus, seine Platzierung und ob noch Unterlagen fehlen. Die Modernisierung läuft. Doch der Bewerbermangel besteht weiter. Und verschärft sich. Die Gewerkschaft der Polizei forderte in dieser Woche sicher zu Recht, die Polizei als Arbeitgeber attraktiver zu machen – etwa durch ein höheres Einstiegsgehalt und preiswerte Wohnmöglichkeiten für Auszubildende des mittleren und Studenten des gehobenen Dienstes. Das mag ein Beitrag sein in einer Stadt, in der die Mieten so rasant steigen wie nirgendwo anders in Deutschland. 
Doch das allein wird nicht helfen. Relativ neu ist nach Angaben von Polizeiausbildern die hohe Abbrecherquote. Auszubildende und Studenten kündigen vermehrt mittendrin, weil sie merken, dass das Ordnungshüter-Dasein doch nichts für sie ist. Und dass die „Work-Life-Balance“ wichtiger ist. Das liegt auch daran, dass sie zuvor kaum Einblick in den Beruf hatten – eine Frage, die man an die Schulen und die Polizei richten muss. Inzwischen, so ist zu hören, bekommt die HWR nicht einmal mehr die Studienplätze für angehende Kriminalpolizisten voll. Das ist neu, bislang war das nie ein Problem. Doch das Dauergucken von Polizei- und Krimiserien wie „The Rookie“ oder „Bosch“ reichte dann doch nicht für einen Einblick ins echte Leben. 
Als Faustregel bei Personalern in gut laufenden Behörden gilt: Man braucht zehn Bewerber für eine Stelle, um ordentlich aussieben zu können. Doch bereits im Frühjahr 2023 kamen auf 180 Stellen, die Berlins Polizei vergab, nur 509 Bewerber. Das waren 2,8 auf einen Ausbildungsplatz. Auch jetzt ist das Verhältnis nicht viel besser. Ein Großteil der Bewerber ist ungeeignet – zum Beispiel charakterlich. 
Die Gefahr, dass Islamisten oder Mitglieder krimineller Clans es in diese bislang gut beleumundete Ordnungsbehörde schaffen, ist nicht von der Hand zu weisen. In diesem Monat schlug ein Polizeischüler auf dem Alexanderplatz aus rassistischen Motiven einen Afrikaner krankenhausreif. Seine beiden Kumpel, ebenfalls Polizeischüler, schauten tatenlos zu. Als ungeeignet scheiden von vornherein auch jene aus, die den Sporttest nicht bestehen, den sogar viele 60-Jährige schaffen. Oder es zeichnet sich jetzt schon ab, dass sie aus gesundheitlichen Gründen früher k. o. gehen, etwa beim Drogen-Screening. 
Und viele Bewerber beherrschen die elementarsten Regeln der Rechtschreibung nicht. Es heißt: Die Polizei sei der Spiegel der Gesellschaft. Die Eigenschaften eines Teils des Nachwuchses sind das Ergebnis der Bildungsmisere in Deutschland: der leistungsfeindlichen Erleichterungspädagogik in bundesdeutschen Schulen und von 30 Jahren sozialdemokratischer Bildungspolitik in Berlin. Und leider auch dessen, was die Eltern ihnen vorgelebt haben. Man muss es leider so sagen.

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