Donnerstag, 18. Dezember 2025

„Wenn ich das Klassenzimmer betrete, müssen alle Schüler aufstehen“

An flämischen Schulen gibt es ein Problem mit dem Verhalten der Schüler, sagen zwei Lehrerinnen dem Online-Magazin „Knack“. Sie schildern ihre unterschiedlichen Herangehensweisen, um die Situation im Klassenzimmer im Griff zu behalten. 

Lehrerin: „Kinder brauchen Disziplin und Struktur“
Die Lehrerinnen Brigitte Beeckman und Kim Vermeirssen stehen beide schon lange im Klassenzimmer. Vermeirssen seit 2008, ihre Kollegin Beeckman arbeitete zunächst in der Buchhaltung und wagte im Jahr 2018 den Wechsel an die Schule. Beide unterrichten Viertklässler, also Jungs und Mädchen, die langsam in die Pubertät kommen. Die Lehrerinnen beobachten eine Zunahme von Verhaltensproblemen, insbesondere schwinde der Respekt vor Autoritäten. Für die beiden Frauen gelte dies in besonderem Maße und sie hätten bereits körperliche Angriffe erlebt, berichten sie „Knack“. Während Beeckman öfter versucht, die Kinder von selbst zum Leisesein anzuregen, schwört Vermierssen auf eine gewisse Härte: „Ich bin wirklich davon überzeugt, dass Kinder Disziplin und Struktur brauchen, um zu lernen“, sagt sie dem Magazin. 

49-Jährige Lehrerin schwört auf Disziplin: Aufstehen, strammstehen und keine Jogginghosen
Im Interview mit dem Online-Magazin erläutert Vermerissen, wie sie für Disziplin im Klassenzimmer sorgt. Dabei wende sie auch Strategien an, die „altmodisch erscheinen“: 
  • Aufstehen: Vermeirssen stellt klar: „Wenn ich das Klassenzimmer betrete, müssen alle aufstehen“ – ohne Diskussionen. 
  • Klare Ansagen: Die 49-Jährige arbeitet immer auf dieselbe Weise, kommuniziert ihre Erwartungen und beschäftigt ihre Schüler konstant, schildert sie ihre Disziplin-Strategie. 
  • Kleiderordnung: Im Klassenraum der erfahreneren Lehrerin gilt eine strenge Kleiderordnung. Schüler müssen ihre Jacke immer aufhängen und Eltern werden kontaktiert, wenn Schüler Jogginghosen tragen. 
  • Zwei Klingeln: Vermeirssen schildert „Knack“, dass ihre Schule zwei Klingeln nutzt. Ein erstes Signal fordert die Schüler auf, sich still in einer Reihe vor dem Klassenzimmer aufzustellen. Erst mit der zweiten Klingel dürfen sie eintreten 
Auch in Spanien ist Disziplinlosigkeit ein großes Problem. Eine Lehrerin berichtet, wie sie pro Unterrichtsstunde rund 20 Minuten Zeit verliert. 

4 Probleme machen deutschen Schülern das Lernen schwer
In den letzten Monaten wurde der Ruf nach mehr Disziplin auch in deutschen Schulen immer lauter. Anlass waren eine offene Stellungnahme von Lehrern, Schulleitern und Schulberatern sowie Berichte über eine Rekordzahl von Schülern, die keinerlei Interesse mehr zeigen. Die Schulleiterin Barbara Mächtle nennt gegenüber der Welt vier Probleme, die sie im Bildungssystem sieht. 
  1. Sprachdefizite: An Schulen wie der von Rektorin Mächtle in Ludwigshafen-Hemsdorf mit 98 Prozent Kindern mit Migrationshintergrund muss neben Rechnen und Schreiben grundlegendes Deutsch vermittelt werden, was den Unterricht verzögert. 
  2. Lehrermangel und Überlastung: Große Klassen, zusätzliche Aufgaben wie Medien- und Verkehrsbildung sowie viele Kinder mit Sonderbetreuungsbedarf überfordern die Lehrkräfte. Gleichzeitig gingen viele Lehrer in Rente und ein erheblicher Teil der Quereinsteiger steige früh wieder aus, so Mächtle. 
  3. Finanzielle und strukturelle Lücken: Schulen mit hohem Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund könnten ihre Aufgaben mit ausreichender Förderung bewältigen, doch es fehlt an ausgebildetem Personal, Förderschulkräften und Sozialpädagogen. 
  4. Belastete Elternhäuser und digitale Einflüsse: Viele Kinder wachsen in einer „brutalen Digitalwelt“ mit Pornografie, Gewalt und Hasspredigern auf und bringen daraus Ressentiments und geringe Lernmotivation mit in die Schule, so die Schulleiterin. Fehlt die Korrektur im Elternhaus, werde daraus eine grundsätzliche Ablehnung von Gesellschaft und System.

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